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Von der Webseite hin zur App?


Als kurz nach 1990 das heutige Internet nach Abschaltung des ARPANets seinen Lauf nahm, konnte sich niemand auch nur ansatzweise die heutigen Ausmaße der digitalen Vernetzung vorstellen. Den Gedanken, dass 20 Jahre später knapp 40 Prozent der deutschen Bevölkerung mobil per Smartphone oder Tablet das Web nutzt, mittlerweile mehr als die Hälfte der deutschen Bundesbürger über eine virtuelle Existenz verfügt (Stand: 04.04.2012, www.internetworld.de) und dass selbst alltägliche Gebrauchsgegenstände wie Toaster (Stichwort: Internet der Dinge) ans Netz angeschlossen werden, hätte einst jeder für absurd erklärt.

Selbst große Unternehmen erkannten damals den Wert des Internets nicht und hatten erstmals kein Interesse an einer Präsenz im Web. Vielmehr waren es ab 1993 einzelne Privatpersonen, die die Möglichkeiten des Internets erahnten und schnell sehr bekannt werdende Webseiten und eigenständig laufende Informationsseiten ins Leben riefen. So gründete der Amerikaner und Video-Jockey Adam Curry 1993 unter mtv.com ein Portal zur Kommunikation zwischen Künstlern, nachdem MTV erstmals kein Interesse an der Domain bekundet hatte. Nach gut einem Jahr erkannte dann der Sender so langsam die Möglichkeiten und es kam zu Rechtsstreitigkeiten, sodass Curry nach einer außergerichtlichen Einigung die Domain an das Unternehmen abgab. Die Jahre 1993/1994 und die folgenden waren auch die, in der einige wenige Privatleute wie Rick Schwartz das Potential des Internets und damit den zukünftigen Wert von Domains erkannten, generische Namen registrierten und steinreich wurden. Die Zahl der Internetuser stieg innerhalb kürzester Zeit überproportional an, damit der Traffic im Netz und dementsprechend auch der Wert von Domains. Rick Schwartz, auch Domain King genannt, erkannte den Trend frühzeitig und registrierte massenhaft Keyword Domains bzw. kaufte bereits registrierte günstig ab, bevor sich deren Wert nur einige Monate später vervielfachte. business.com beispielsweise wurde 1997 für 150000 Dollar veräußert und fand nur zwei Jahre später einen Abnehmer für 7,5 Millionen Dollar. Auf seinem Blog beschrieb er in einem Post, dass er durch eine neu registrierte generische Domain einst erstmals 5 Dollar pro Tag, einige Wochen später aufgrund der explodierenden Anzahl an Internetusern bereits 5000 Dollar pro Tag verdiente. Diese Einnahmen kamen dabei rein durch sog. Type-Ins, also durch Direkteingaben der .com Domain im Browser und anschließendem Klick auf eine dort angezeigte Werbung zustande. Grund war der, dass es damals keine vernünftigen Suchmaschinen wie Google oder Plattformen wie Facebook oder Twitter gab, sodass viele Internetuser je nach Thematik den Begriff mit der .com Endung direkt im Browser eingaben. Jeder, der damals eine Webseite ins Leben rief, ob sie nun Geld abwarf oder nicht, stellte eine, in der Regel eigenständige, unabhängig von anderen Seiten laufende Webseite ins Netz. Diese Seiten waren statisch und in ihrer Form unveränderbar. Der User konnte sich über diese lediglich informieren, nicht aber sich selbst einbringen. Vergleichen kann man dies mit dem Programm eines TV oder Musiksenders, der in der Regel stets ein festes Programm vorgibt und keine Möglichkeit der Interaktion besteht. Diese Form des Internets bezeichnet man als das Web 1.0.

Diese Ausgangssituation hat sich mittlerweile vollkommen verändert. Die Technologien, auf deren Basis Webseiten entwickelt werden, haben sich massiv weiterentwickelt. Kurz nach Platzen der Dotcom Blase ist das Web 2.0, auch das sog. Mitmachweb entstanden. Das Web 2.0 ermöglicht den Besuchern, sich anhand von Kommentaren, Empfehlungen, Meinungen, Likes oder dem Nutzen von regelrechten Web 2.0 Anwendungen (sog. Mashups), wie sie hier auf dem Zweinull Blog vorgestellt werden, aktiv einzubringen. Dahingehend bieten viele der damals gegründeten Internet Unternehmen wie Google, die trotz des Dotcom-Booms bis heute überlebt haben, oder andere, danach gegründete Unternehmen wie beispielsweise Facebook oder Twitter, heutzutage eine Vielzahl an Programmierschnittstellen, sog. APIs an. Diese APIs ermöglichen Website Betreibern, eine Vielzahl der Inhalte von Google, Youtube und Co. auf der eigenen Seite einzubinden oder gar die Seite auf Grundlage der Schnittstellendaten zu programmieren. So zum Beispiel gibt es heutzutage zahllose Seiten, die primär Karten von Google Maps einblenden und darüber als Art weiteren Layer Informationen zu Filialen, Bankautomaten, Tankstellen oder gar die Routen von Schiffen oder Flugzeugen aufzeigen. Wo es früher also galt, eigene autarke Webseiten ins Netz zu stellen, geht heute der Trend oftmals zu richtigen digitalen Anwendungen, die auf Basis von externen Diensten wie Google Maps, Twitter oder Facebook ihren Dienst verrichten.

Als Konkurrenz zu all diesen Seiten auf Basis des Web 2.0 haben sich mittlerweile die sogenannten Apps etabliert. Dabei handelt es sich um eine Form von Programmen, die zumeist für Smartphones und Tablet Computer konzipiert werden und sich seit Einführung von IPhone und IPad immer mehr behaupten können. Schon in früheren Zeiten gab es diese Applikationen bereits, allerdings waren damals die Smartphones noch nicht so populär und die mobilen Internetverbindungen noch recht teuer. Aufgrund der rasenden technologischen Fortschritte und der zunehmenden Verbreitung der Smartphones verschiebt sich jedoch die Zeit, die der Benutzer im Internet verbringt, immer mehr zugunsten der mobilen Geräte und weg vom PC, sodass auch die Apps immer mehr an Relevanz gewinnen. Auf www.smartphone-seite.de wird dieser Trend aufgefasst und in diesem Post in konkreten Zahlen genannt. So wurden bis zum Jahre 2011 mittlerweile 10 Milliarden Apps heruntergeladen und täglich erscheinen mehr und mehr dieser Miniprogramme. Einige der Apps sind kostenlos, für andere wird ein kleiner Betrag berechnet. Als Beispiel fasst der App Store alle verfügbaren Apps für Apple Produkte zusammen und bietet mittlerweile mehr als eine halbe Million Apps zum Download an. Die Nachfrage ist also da und das Geschäft boomt. Manch ein App Programmierer ist schon durch seine tausend- oder millionenfach heruntergeladene App reich geworden. Im Gegensatz zu Webanwendungen sind Apps immer an die jeweilige Zielplattform angepasst und daher nicht einfach so Plattform übergreifend zu verwenden. Apps, die für ein IPhone programmiert wurden, lassen sich also nicht auf einem Android Betriebssystem installieren, hier müsste ein weiteres App mit den gleichen Funktionen, allerdings für Android programmiert werden. Somit ist für die Nutzung der Apps also immer mit einer gewissen Systemabhängigkeit verbunden. Dieser Nachteil wird allerdings dadurch aufgehoben, dass Apps oftmals sehr stimmig auf das Betriebssystem ausgerichtet sind und darin leicht und flüssig integriert werden können. Außerdem lassen sich diese sehr schnell und unkompliziert über die jeweilige App Zentrale herunterladen und installieren.

Aufgrund des zunehmenden Andrangs auf Apps und der immer größer werdenden Anzahl der Apps für jegliche Bedürfnisse lässt sich sicherlich die Existenz von Webseiten in Frage stellen. Gerade bei Auskünften jeglicher Art (beispielsweise das nächste Restaurant, der Friseur oder Taxistand) oder wenn es um die Bestellung der Pizza geht, ist diese Frage gerechtfertigt. Auch bei anderen Programmen, die leicht mobil per App zu bedienen sind, werden die kleinen Programme den Webseiten sicherlich auch in nächster Zeit den Kampf ansagen. Allerdings bieten Webseiten stets den Vorteil, von jedem Endgerät aus aufgerufen und bedient werden zu können und somit, wie vorhin schon angesprochen, unabhängig von der Plattform in Anspruch genommen werden zu können. Diese stellen somit für ein breiteres Spektrum an Anfragen ihren Dienst zur Verfügung. Gerade in Bereichen, in denen es rein um Informationen, also um Content geht, werden daher wohl die Webseiten auch in Zukunft die Nase vorn haben. Es bleibt sicherlich spannend, wie sich der Markt auf beiden Seiten weiterhin entwickeln wird!

Was sind eure Meinungen dazu? Werden sich Apps durchsetzen oder können auch die Websites weiterhin Ihre Daseinsberechtigung behalten?

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