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Internetabzocke ohne Ende


Wie z.B. die Augsburger Allgemeine berichtet, sorgt momentan die in München ansässige Rechtsanwältin Katja Günther für negative Schlagzeilen. Die Dame verschickte bzw. verschickt womöglich noch immer tausende Mahnungen an Internetnutzer, die Onlinedienste der Firma Online Service Ltd. in Anspruch genommen haben. Die besagte Firma unterhält Internetseiten mit Angeboten wie Routenplaner, Kochrezepte, Hausaufgaben oder Horoskopdienstleistungen.

Wie sind die Internetnutzer in die Falle getappt?

Auf den Internetseiten mit den vielfältigen Angeboten muss man sich zunächst für die Nutzung anmelden.

Das bei der Anmeldung stehende unauffällige Kleingedruckte wurde den Nutzern der Dienste der Online Service Ltd. dabei zum Verhängnis, denn darin wird auf die mit der Anmeldung verbundenen Kosten hingewiesen. Viele User, die sich nun angemeldet hatten, übersahen diesen Hinweis und tappten so in die Abzockfalle.

Und nun kommt die Rechtsanwältin Katja Günther ins Spiel, die die Machenschaften der Online Service Ltd. juristisch betreut und tausende, ahnungslose Internetnutzer in Schreiben zur Zahlung der im Kleingedruckten genannten Kosten unter Androhung einer Klage und des diesbezüglichen Verweises auf ein Urteil des Amtsgerichts Wiesbaden (Az: 93 C 619/08) auffordert.

Wie sollen sich betroffene Internetnutzer verhalten?

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen konstatiert, dass dem Internetangebot der Online service Ltd. die nötige Preisklarheit fehlt und somit ein wesentlicher Vertragsbestandteil nicht existiert. Daher können betroffene Verbraucher wegen arglistiger Täuschung anfechten oder zeitlich unbegrenzt widerrufen.

Da die Anwältin bewusst auf das bereits erwähnte Urteil des Amtsgerichts Wiesbaden verweist, sah sich dieses nun zu einer Klarstellung gezwungen.

Der Wiesbadener Gerichtssprecher Erwin Meier sagte:

„Das hier verkündete Urteil macht keinerlei Aussagen zur Wirksamkeit eines möglichen Vertrages zwischen dem Internetnutzer und dem Online-Dienst.“

Zudem findet sich auch eine  ausführlichere Stellungnahme des Amtsgerichts Wiesbaden.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen empfiehl allen Betroffenen, „auf keinen Fall zu zahlen“ und die Drohschreiben am besten zu ignorieren.

Die Augsburger Allgemeine schreibt zudem:

Ein Musterbrief, mit dem Betroffene den Forderungen widersprechen können, gibt es unter www.vz-nrw.de/onlineabzocke

Persönliches Fazit: Da zeigt sich mal wieder, dass man sich immer mit wachem Blick durchs Internet bei der Nutzung von scheinbar kostenlosen Diensten von unbekannten Anbietern bewegen sollte. Gleichwohl sind die Praktiken der Online Service Ltd. in keinster Weise gutzuheißen und ich hoffe, dass alle juristischen Wege ausgeschöpft werden können, damit nicht noch mehr User Opfer dieser Firma und ihrer Anwältin werden und die Firma samt Anwältin juristisch zur Rechenschaft gezogen wird.

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6 Antworten zu " Internetabzocke ohne Ende "

  1. Vielen Dank für die guten Tipps. Wir werden leider auch von der Anwältin belästigt.

  2. Dietrich Stahlbaum sagt:

    Internetabzocke. Ein ähnlicher Fall

    Vor einiger Zeit hatte ich an einer Deutschland-Trend-Umfrage teilgenommen. Als Schirmherr fungierte Richard von Weizsäcker, der Altbundespräsident. Also eine Vertrauensperson. Zum Dank durfte ich an einem kostenlosen Gewinnspiel teilnehmen: PLANET49 (6 aus 49), ein Lottospiel. Jeden Tag. Man gibt seine Zahlen ein und klickt einen „Glückssponsor“ an.

    Eines Tages, am 7. Mai 2008, erhielt ich von einer Fa. Magolino GmbH eine Auftragsbestätigung und eine Rechnung für ein Abonnement, das ich angeblich am 22.04.2008 bestellt habe.

    Darauf habe ich mit folgender Email geantwortet:

    „Sehr geehrte Damen und Herren,

    mir ist nichts davon, dass ich diesen Auftrag erteilt habe, bekannt. Ich bitte ihn zu stornieren und mir dies zu bestätigen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Dietrich Stahlbaum“

    Der Kundendienst der Fa. Winnerking-Eintragsservices antwortete mit einer Email unter dem Titel „Wo habe ich das Abonnement meines Winnerking-Eintragsservices bestellt?“ und einer weiteren Auftragsbestätigung und einer Widerrufsbelehrung. Darin heißt es:

    „Sie können Ihre Vertragserklärung innerhalb von zwei Wochen nach Bestellung ohne Angabe von Gründen in Textform (z.B. Brief, Fax oder Email) widerrufen. Die Frist beginnt frühestens mit Erhalt dieser Belehrung. Zur Wahrung genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs.“

    Nach einigen beiderseitigen Email-Mitteilungen schrieb ich den folgenden Postbrief:

    „EINSCHREIBEN

    14.05.08

    Magolino GmbH – Kündigung K-13299532

    Richard-Wagner-Str.2

    91054 Erlangen

    Ihre unberechtigte Forderung – “Rechnungs-Nr. R-2008-46995/ Kunden-Nr. K-13299532”

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    mit Schreiben vom 07.05.08 machen Sie einen Betrag in Höhe von 89.88 € für die angebliche Inanspruchnahme einer Internet-Serviceleistung gegen mich geltend.

    Der von Ihnen erbrachte Nachweis kann mich nicht davon überzeugen, dass es sich um einen korrekt abgeschlossenen, juristisch einwandfreien Vertrag handelt. Solche dubiosen Geschäftsgebaren kann ich nicht akzeptieren.

    Den angeblich abgeschlossenen Vertrag fechte ich vorsorglich wegen arglistiger Täuschung an. Zudem widerrufe ich diesen Vertrag hilfsweise nach den Vorschriften über Fernabsatzverträge. Höchst vorsorglich erkläre ich die Anfechtung wegen eines Irrtums über den Inhalt der abgegebenen Willenserklärungen, hilfsweise kündige ich fristlos.

    Von Drohungen mit einer unberechtigten Strafanzeige oder einer unzulässigen Eintragung dieser bestrittenen Forderung bei der Schufa sollten Sie Abstand nehmen, da ich mir ansonsten rechtliche Schritte gegen Sie vorbehalte.

    Eine Zahlung werde ich nicht vornehmen.

    Ich erwarte Ihre Stellungnahme.

    Mit freundlichen Grüßen

    gez. Dietrich Stahlbaum“

    … und erhielt am 19. Mai 08 eine schriftliche Rechnung per Post.

    Daraufhin schrieb ich folg. Email:

    „Sehr geehrte Damen und Herren,

    was ich Ihnen mitzuteilen habe, das habe ich Ihnen bereits mitgeteilt, zuletzt in einem Einschreibebrief am 14.05.08. Ich betrachte alle weiteren Mitteilungen von Ihnen als SPAM. Briefpost wird nicht angenommen oder landet im Papierkorb.

    Beste Grüße

    Dietrich Stahlbaum“

    und bekam die Email-Antwort:

    „Sehr geehrter Herr Dietrich Stahlbaum,

    herzlichen Dank für Ihr Schreiben.

    Wir haben Ihre Stellungnahme zur Kenntnis genommen und möchten Ihnen mitteilen, daß wir Ihr Anliegen sehr ernst nehmen.

    Nach Prüfung Ihres Falles müssen wir Ihnen aber dennoch mitteilen, dass nach unserer Auffassung keine sachlichen Gründe vorliegen die entstandene Forderung nachträglich aufzulösen.

    Es steht somit eine Forderung i.H.v. 89.88 Euro offen.

    Hiermit möchten wir Sie herzlich darum bitten die Zahlung anhand der Ihnen vorliegenden Rechnung oder Zahlungserinnerung fristgerecht vorzunehmen um evtl. Mehrkosten für Sie zu vermeiden.“

    Einen Postbrief ungeöffnet in frankiertem Umschlag an Magolino zurückgeschickt.

    Am 17.07.08 erhielt ich eine 3. Mahnung:

    „L E T Z T E M A H N U N G
    UND LETZTER AUßERGERICHTLICHER HINWEIS“

    Am 18.08.08 kam nochmals eine LETZTE MAHNUNG mit Androhung einer „Vollstreckung“! Rechnungsbetrag inzwischen: 172.88 €

  3. admin sagt:

    Auweh, was es alles für Abzocken gibt; ich glaube die Möglichkeiten- gerade im Internet- sind für Leute, die andere abzocken wollen riesig und die Strafen nicht hoch genug. 🙁

  4. shooter66 sagt:

    @Dietrich Stahlbaum

    was ist jetzt daraus geworden?

    Mir ist es ähnlich passiert,
    ich habe heute nach Beratung vom Rechtsbeistand meiner Rechsschutzversicherung einen ähnlichen Brief als Einwurfeinschreiben gemacht.
    Mir wurde als Vorlage
    http://www.verbraucherzentrale-bayern.de/UNIQ123566751105714/link303142A.html
    der Musterbrief 2 empfohlen.

    m.f.G.
    shooter66

  5. Reis sagt:

    Ich bin in die Falle von „desktop-downloads.de“ getappt und lese mich seitdem durch sämtliche Foren. Ich kann gar nicht genug davon bekommen. Ich möchte so viel darüber wissen wie nur irgendwie möglich.
    Ich werde nicht zahlen, aber Angst habe ich trotzdem!

    Ich lese auch deswegen so viel, damit ich mir die Angst selbst ein bisschen nehmen kann!
    Was habt ihr für Erfahrungen gemacht und wie ist die Geschichte ausgegangen@Dietrich?

    MfG,

    Bernd

  6. Hallo , ist denn irgendwo zulesen das nach drei Mahnungen und ich danach den Musterbrief abgesand habe ,ein Erfolg oder eine Einstellung des geforderten Betrags eingetreten ist. Man ließt was man alles machen soll , aber keiner schreibt von einem Erfolg,laut Musterbrief.
    Mit freundlichen Grüßen

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