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Quelle begeht teuren Fehler


Ein 30-jähriger Feuerwehrmann aus Bochum hat wahrscheinlich das Geschäft seines Lebens gemacht.

Er entdeckte im Internet bei Quelle einen LCD-Fernseher der Marke Philips zum Preis von 199,99 Euro und bestellte am 25.09.2007 gleich zwei Geräte zum Gesamtpreis von 419,93 Euro in­klusive Versandkosten.

Nachdem Quelle noch am gleichen Tag den Eingang der Bestellung und nach interner Bonitätsprüfung am 31.10.2007 die Lieferung gegen Vorkasse anbot, freute sich der Käufer schon über sein Schnäppchen.

Doch dann kam die Ernüchterung. Obwohl die geforderte Zahlung am 16.11.2007 bei Quelle einging, verweigerte das Versandhaus die Lieferung mit der Begründung, dass der verantwortlichen Mitarbeiterin bei der Preiseingabe ein Fehler unterlaufen sei. Der tatsächliche Preis für den Fernseher beträgt 1.999,99 Euro.

Das war dem Feuerwehrmann herzlich egal, denn er wollte sich sein Schnäppchen nicht so einfach entgehen lassen und beauftragte den Rechtsanwalt Clemens Bergfort aus Essen damit, Quelle auf Lieferung zum günstigen Preis vor dem Amtsgericht Fürth zu verklagen (Az. 340 C 1198/08). Und siehe da: Das Amtsgericht Fürth gab der Klage statt und verurteilte Quelle zur Lieferung der günstigen Fernseher.

Nach Auffassung des Gerichts stellt zwar das erste Schreiben von Quelle, mit dem per E-Mail der Bestellungs-Eingang bestätigt wurde, noch keine Annahmeerklärung des Kaufangebots des 30 Jährigen dar, aber mit einem zweiten Schreiben hat Quelle den Abschluss eines Kaufvertrages über die beiden Geräte gegen Vorkasse angeboten. Dieses Angebot wurde konkludent durch Zahlung des Kunden angenommen. Für das Gericht war es nicht von Bedeutung, dass der im Internet genannte Preis auf einem Eingabefehler der zuständigen Mitarbeiterin beruhte und die später erklärte Anfechtung des Vertrages rechtzeitig erfolgte. Entscheidend war vielmehr, dass Quelle selbst eingeräumt hat, dass der von Quelle angeführte Eingabefehler bereits vor dem Kaufangebot, Lieferung gegen Vorkasse, entdeckt worden war. Geschieht dies in dieser Reihenfolge, kann es nicht auf einem Irrtum beruhen. Quelle hat sich die Kenntnis der Vertriebsabteilung, die unstreitig informiert war, zurechnen zu lassen.

Der beauftragte Rechtsanwalt äußerte sich wie folgt zu dem Fall:

„Die meisten Konsumenten wurden durch die vielen Urteile in der Vergangenheit, die zuungunsten des Verbrauchers ausgegangen sind, abgeschreckt. Dieser Fall zeigt aber sehr schön, dass bei Preiseingabefehlern im Internethandel der Konsument nicht automatisch der Dumme ist. Es lohnt sich schon, den Fall von einem Anwalt genau prüfen zu lassen. Denn beim Vertragsrecht kommt es auf jede Stufe der Willenserklärung an. Vor allem muss man an Hand der Schriftstücke untersuchen, wie der Vertrag zu Stande gekommen ist. Derartige Fälle lassen sich nicht über einen Kamm scheren.“

Am Rande sei noch erwähnt, dass Quelle gegen die Entscheidung des Amtsgerichts Fürth keine Berufung einzulegen gedenkt und der Feuerwehrmann sogar 2 noch modernere LCD-Fernseher zugeschickt bekam, da die bestellten Modelle bereits ausgelaufen waren.

Fazit: Hut ab vor dem Feuerwehrmann; er hat nichts anbrennen lassen!

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13 Antworten zu " Quelle begeht teuren Fehler "

  1. josef sagt:

    Auweia, was es alles gibt..

  2. Mailman sagt:

    Faktisch hat er Quelle rechtlich völlig legal übers Ohr gehauen. Finde ich eigentlich nicht richtig, auch wenn sich Quelle das leisten kann. Für mich ist das eine Frage des Anstands.

  3. CashBlog sagt:

    Klar man könnte hier mit Anstand kommen. Doch auch kleine Unternehmer müssen darauf achten ihre Preise richtig anzugeben. Denn mir als Unternehmer wäre es peinlich sagen zu müssse, “Sorry der Preis war falsch ausgezeichnet, es kostet das 4 fache”. Mal ganz davon abgesehen, das mich Kunden dann nicht mehr für Voll nehmen würden.

    Dennoch eigentlich hat es wenig mit Anstand zu tun, denn wenn ich etwas zu einem bestimmten Preis sehe, es bestelle, dann will ich es auch für den Preis haben.

    CashBlogs last blog post..Spartipp 13 – Sparen mit der Bahn

  4. Mediensache sagt:

    Solch ein Glück will ich auch mal haben. Wieso hat er sich denn nicht gleich mehr als 2 Fernseher bestellt? Hätte er dann schön weiterverkaufen können.

    Mediensaches last blog post..Google Chrome Download

  5. Olli sagt:

    Hmpf… Das Angebot hätt ich auch gebrauchen können, mein schöner Fernseher hat sich ja leider die Tage verabschiedet…

    Das Urteil zeigt mal wieder, das man sich als Kunde nicht alles gefallen lassen muss/sollte. Und btw. Anstand hin oder her, wenn den alle Verkäufer anständig wären, dann könnte man überlegen ob man als Kunde bei sowas auch anständig sein sollte, aber erst dann.

    Ollis last blog post..Kommentarfeed mit oder ohne Trackbacks?

  6. Alper sagt:

    Ich glaube, dass ist jedem großen Versandhandel schon einmal passiert. Habe in der Vergangenheit immer nur von Amazon gehört aber in letzter Zeit ist es doch recht still um diese Vertipper geworden. Freue mich für den Mann. Und Quelle wird von diesem einen Fehler sicher nicht untergehen ;-)

    Alpers last blog post..Traumhochzeit: Unsere erste zugesandte Karte

  7. Freeweb24 sagt:

    Ich find es auch gut, dass der Mann das Schnäpchen machen kann. Hofentlich haben die Gerichte dabei nicht zu lange gebraucht, sonst wäre die Ware in der Zwischenzeit veraltet.

    Freeweb24s last blog post..Google Chrome AGB

  8. alex sagt:

    Ich glaube das ist eher ein Sonderfall – in den meisten AGB von Versandhäusern steht, dass die Preise Fehlerbehaftet sein können, wenn es ersichtlich ist, dass dort ein Fehler vorliegt.

    alexs last blog post..Inspiration Graffiti

  9. Sasha sagt:

    Haha, find ich gut, leider habe ich das zu spät gesehen, aber denke auch das er ziemlich glück gehabt hat. weil meist wird ja drauf hingewiesen das für druckfehler usw. keine haftung übernommen wird. aber dadurch das sie dem kauf zugestimmt haben. selbst schuld

    Sashas last blog post..Brands4Friends

  10. asaaki sagt:

    mensch, solch ein glück muss mensch haben! aber ich vermute mal, dass die wenigsten fehler genau in der reihenfolge vorkommen wie oben geschildert. schade eigentlich…

    asaakis last blog post..designentwurf mp-logo v9

  11. Auyana sagt:

    Das ist wohl das Risiko eines jeden Online-Shops, wenn dessen Prozesse nahezu alle Schritte der Abwicklung vollautomatisch durchführen. Bequem in der Anwendung – jedoch mit Risiken für das Unternehmen.

  12. Interessanter Beitrag, danke!

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